Drei Schwestern

IMG_1263Mehrere Bauern der Umgebung hatten dem Vormundschaftsgericht gemeldet, dass es in der Gegend drei Mädchen gebe, die alleine lebten.

Als sie schließlich auch Lehrer einer nahe gelegenen Schule beim Stehlen von Lebensmitteln erwischten, wurden sie ins Kinderheim gebracht.Dort kamen sie abgemagert, stumm und verängstigt an. Das jüngste Mädchen hatte kaum Haare auf dem Kopf und Brandwunden.

Ich wurde gefragt, ob vielleicht der Verein „Hilfe zur Selbsthilfe“ helfen könne.

Die Kinder sind 5, 10 und 12 Jahre alt. Die 5jährige hatte sich kochendes Fett übergegossen, als ihre ältere Schwester Süsskartoffeln fritieren wollte, die sie „gefunden“ hatte.

Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll. Alle drei waren unendlich schmutzig und besaßen nur die zerrissene, verdreckte Kleidung, die sie am Leib hatten, Schuhe hatten sie keine. Und es war Ende Mai/Anfang Juni, da ist es hier noch richtig kalt.

Die 5jährige hatte noch nie eine Toilette gesehen, geschweige denn, benutzt. Die 10jährige sprach kein Wort, sie war komplett verstummt, wirkte völlig apathisch. Die 12jährige war für die 5jährige wie die Mutter. Die Kleine hat sie umklammert, nur eng an sie gekuschelt geschlafen und nur gegessen, wenn sie Schwester es ihr gegeben hat.

Zuerst einmal haben wir sie gewaschen, dann dem Arzt und dem Zahnarzt vorgestellte. Und dann haben wir durch den Kinder-Notfonds des Vereins „Hilfe zur Selbsthilfe“ Medikamente und Kleidung kaufen können.

Wir haben jeden Tag lange Spaziergänge mit den dreien gemacht – etwas ganz neues für sie. Die 10jährige, dann auch die 15jährige habe ich in EMDR-Behandlung (Trauma-Therapie) genommen. Eine Möglichkeit, die ich glücklicherweise durch den Verein habe.

Eines Tages, wir haben unseren Spaziergang nach einer EMDR-Sitzung gemacht, blieb die 10jährige abrupt stehen. Sie hob einen Stock vom Boden und zeigte mir, wie sie und ihre Schwestern von der Mutter verprügelt wurden. Es war wie ein grauenvolles Theaterstück. Dann begann sie endlich zu erzählen, was ihnen widerfahren war. Auch die 12jährige öffnete sich daraufhin und konnte noch viel mehr Details berichten. Seitdem kann man zusehen, wie die drei täglich fröhlicher werden.

IMG_0719Eines Tages sind wir mit der Ältesten einkaufen gegangen und sie durfte sich eine rosarote Mütze aussuchen. Sie war außer sich vor Freude, weil sie sie so schön fand und weil sie etwas ganz Neues bekommen hatte. Auf den Fotos sieht man sie mit ihrer neuen Kleidung und ihren Schuhen, auch Schulmaterial haben sie bekommen.

Es war aber ein sehr langer Weg, ihnen ein Stück ihrer Kindheit und Jugend wieder zu geben. Das alles war möglich durch unser engagiertes Team, durch EMDR und durch all die Unterstützung durch den Verein „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Nach und nach kamen wir weiter und erfuhren mehr. Einige Wochen, nachdem wir sie kennen gelernt hatten, haben sie uns sagen können, dass ihre Mutter in einer Psychiatrie ist. Und wer und wo ihr Vater ist, und wo andere Verwandte leben, in einer etwa 200km entfernten Stadt.

IMG_1262Wir konnten dort mit einem wunderbaren Team von Sozialarbeitern Kontakt aufnehmen, sie kannten den Vater tatsächlich. Er war lange arbeitslos gewesen, aber inzwischen hatte er eine Arbeit als Nachtwächter einer Firma bekommen.

Wir sind die in diese Stadt gefahren und haben den Vater und seine Schwester kennengelernt, mit der er zusammenlebt. Und wir konnten uns mit Unterstützung der dortigen Sozialarbeiter davon überzeugen, dass er den Kindern ein gutes Umfeld bieten kann.

Die drei Kinder sind völlig begeistert davon, bei ihm und einer Tante  leben zu dürfen und lieben ihn sehr. „Unglaublich, er schlägt uns nicht!“, haben sie mir gesagt.

Wir haben schließlich die drei Schwestern mit einem Auto, in dem auch ihre ganzen heißgeliebten neuen Sachen Platz fanden,  zum Vater und der Tante gebracht und hören nun ab und zu von ihnen und freuen uns sehr, dass es ihnen nun gut geht.

 

 

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Das Patenprojekt verändert sich

Wir – also der Verein “Hilfe zur Selbsthilfe Walldorf” und ich, haben ja seit 2010 das Patenschaftsprogramm von Elsa Timm in São Lourenço begleitet. Elsa hat dadurch mehr als 75 Kindern und ihren Familien viel Hilfe zukommen lassen können.
Das ist ganz wunderbar – aber auch sehr viel bürokratischer Aufwand für Elsa. Neben ihrer eigentlichen Arbeit muss sie regelmäßig von 75+ Kindern Fotos machen und Berichte schreiben. Daneben sind individuelle Patenschaften auch nicht ganz unproblematisch. Natürlich möchte jedeR, der/die ein Patenkind unterstützt, gerne erfahren, was mit der Spende Gutes getan wird.
Aber die andere Seite der Medaille ist, dass dadurch Geschwisterkinder in eine benachteiligte Position kommen. Und im Grunde möchte man ja die Familie fördern, und nicht ein einzelnes Kind (das sowieso nur gut gefördert werden kann, wenn es der gesamten Familie gut geht).
Kurz und gut, wir haben uns entschieden, nun keine individuellen Patenschaften mehr anzubieten, sondern Zahlungen in einen “Patenschaftsfonds”. Das gespendete Geld kommt weiterhin den 75+ Kindern und (nun auch ganz offiziell) ihren Familien zu, die ebenfalls weiterhin genauso individuell betreut werden, wie bisher.
Nur muss Elsa keine 75+ Einzelberichte mehr schreiben, sondern fasst die Entwicklung der Kinder einmal im Jahr für die Spender zusammen. Diesen Bericht bekommen alle, die für die Patenkinder spenden. Und Elsa hat mehr Zeit für die Arbeit mit den Kindern selbst.
Natürlich können nur dann weiterhin soviele Kinder und ihre Familien unterstützt werden, wenn es weiterhin so viele Spender gibt – aber bisher haben fast alle die Beweggründe für die Veränderung verstanden.
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Hüter des Waldes

Unser Ziel bei diesem Projekt ist es, die Vielfalt der Natur (Tiere und Pflanzen) zu dokumentieren. Denn wenn die Menschen ihre Umwelt in all ihrer Vielfalt kennen, werden sie eher bereit sein, sich für ihre Erhaltung einzusetzen.

Es ist in den letzten Jahren immer schwerer geworden, Tiere zu beobachten, weil durch die massive Abrodung die Populationen der Tiere sehr geschrumpft sind. Der Verein hat uns ermöglicht, “Kamerafallen” zu kaufen. Das sind Kameras, die man in der Natur aufstellen oder aufhängen kann. Damit werden dann Tiere gefilmt, die nie auftauchen würden, wenn Menschen in der Nähe sind. Ich leihe die Kamerafallen auch den Schülern, die sie dann auf den (oft riesigen) Grundstücken ihrer Familie aufstellen können. Darüber erfahren die Schüler, aber auch ihre Familien, eindrücklich, welche Tiere überhaupt auf ihrem Land heimisch sind. Fast immer war ihnen das zuvor überhaupt nicht klar.

Hier ist ein Beispiel, ein kurzes Video, auf dem der “Waldhund” zu sehen ist.

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Mit der Kamerafalle haben wir auch ein Video über die “Butiá Palme” gemacht. Das ist eine Palmenart, die in Südbrasilien heimisch ist. Früher war sie sehr häufig, inzwischen ist sie fast ausgerottet, aber sie gelten immer noch als zur südbrasilianischen Identität gehörig. Ihre Früchte werden gerne gegessen, es gibt auch Marmeladen, Liköre und Säfte daraus. Und aus den Blättern macht man traditionell Gebrauchsgegenstände wie Körbe oder Stühle. Das Video erklärt die Bedeutung der Palme und es werden dann auch die „Kamerafallen-Bilder“ gezeigt: Tiere, die “mit der Palme leben”, sich darauf aufhalten und sich von ihr ernähren gezeigt. So etwas hat es zuvor nicht gegeben. Das Video heisst “Wir lieben Butiá” und wurde gemeinsam mit der “EMBRAPA e Flora Pelotensis” produziert, das ist eine bedeutende brasilianische Forschungsabteilung. Dieses Video wurde vor anderthalb Wochen veröffentlicht und hat schon mehr als 130.000 Klicks bekommen!

Die Natur zu filmen ist eine einfache Idee mit großer Wirkung. Diese Erfolgsgeschichte hätte niemals ohne die Unterstützung des Walldorfer Vereins “Hilfe zur Selbsthilfe” stattfinden können.

Günter Timm Beskow

 

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Endlich trocken schlafen können

Heute konnte der Verein Hilfe zur Selbsthilfe wieder einen Wunsch erfüllen

Nach einem schlimmen Hagelregen war das Wellblechdach der Familie unseres Patenkindes Otavio voller Löcher. Otavios Mutter wünschte sich, ein Zimmer aus Backsteinen zu haben, so dass man zumindest in diesem Zimmer geschützt wäre und kein Regen durch Dach oder Ritzen käme.

Mit Hilfe des Vereins konnten wir ihr nun 1000 Backsteine übergeben. Ihr Cousin hilft ihr an den Wochenenden mit dem Bau, wenn er von der Arbeit kommt.

n. Die Familie ist sehr arm. Ich soll Euch sehr für Eure Hilfe danken.

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Große Herausforderungen für das Waldklassenzimmer

Abholzung um das Waldklassenzimmer

Derzeit bin ich unglaublich aufgebracht über die Gemeindeverwaltung von São Lucas. Das ist die Gemeinde, in der das Waldklassenzimmer steht. Kürzlich haben sie nämlich jede Menge Wald in der nächsten Umgebung des Waldklassenzimmers abgeholzt, einschließlich einer 30 Jahre alten Araukarie, die mein Großvater dort gepflanzt hatte. Das haben sie mit Erlaubnis der Stadtverwaltung (von São Lourenço, nächst höhere Ebene) getan. Die nämlich versprechen sich Wählerstimmen davon. Der Umweltschutz ist ihnen egal.

Das ist ein altes Bild:

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Und nun ist der Ausblick dieser:

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Natürlich zeigt das letztlich nur, wie wichtig unsere Aufgabe ist und wie wichtig es ist, nicht aufzugeben, sondern mit aller Kraft weiterzumachen.

Aktivitäten trotz mangelnder Unterstützung “von oben”

DSC05550Hier gehen unsere Aktivitäten weiter, ich poste regelmäßig auf meiner Facebook-Seite darüber (hier klicken, um dorthin zu kommen) und freue mich über jeden, der mir dort “folgt”.

Wir haben zum Beispiel in der letzten Woche 60 Schüler aus drei verschiedenen Schulen hier gehabt. Das ist wunderbar.

ABER: Leider gibt es trotz des großen Interesses, das unser Waldklassenzimmer weckt, viele Probleme. So unterstützt uns die Leitung der Schule “Francisco Frömming” nicht wirklich.

DSC05561Und das, obwohl wir schon seit acht Jahren gemeinsame Projekte machen und tolle Rückmeldungen von den Schülern bekommen. Aber im Grunde ist es schon die ganze Zeit so, dass sie zwar mitmachen, unser Projekt aber nicht wirklich unterstützen.

So dürfen nur wenige Stunden tatsächlich im Waldklassenzimmer abgehalten werden und wir spüren eher Gegenwind als Unterstützung. Ich glaube nicht mehr daran, dass sich das ändern wird, bevor die Schule eine neue Leitung bekommt (was dauern kann).

Deshalb versuche ich, andere Schulen mit ins Boot zu holen. Ich versuche derzeit, Kontakt mit verschiedenen Schulen aufzubauen, deren Schüler, Lehrer oder Leitung Interesse an unserem Projekt haben oder haben könnten.

 

 

Das Gewächshaus

Ich wage es kaum zu sagen, aber das Gewächshaus ist immer noch nicht ganz fertig. Immerhin der “Rohbau” steht, das war das Schwierigste. Leider ist mein Helfer schwer erkrankt und wird wohl künftig ausfallen. Ein Freund hat schon zugesagt, auszuhelfen, insofern gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Wochen fertig werden.

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Bitte verzeiht, dass ich mich nicht öfter melde. Aber die Arbeit hier scheint ohne Ende und oft entscheide ich mich dann eher dafür, etwas im projekt zu machen, statt eine Mail zu schreiben. Noch eine Sache: Wir versuchen, mit Hilfe von einigen Sponsoren ein neues Video über unsere Aktivitäten zu machen, um weitere Unterstützung zu finden. Daumen drücken, bitte!

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São Lourenço nach der WM: Oder die Kindernothilfe ist SO wichtig!

Durch die Weltmeisterschaft haben wir ja in den letzten Wochen sehr viel mehr über Brasilien erfahren, als sonst. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Auch, dass die Berichterstattung viele verschiedene Aspekte dieses faszinierenden Landes gezeigt hat.
Elsa Timm erlebt seit vielen Jahren auch die Schattenseiten Brasiliens hautnah: Die Armut, die extremen Ungerechtigkeiten. Dabei  verliert sie nie ihren Humor, ihr Engagement und ihre Zuversicht. Absolut bewundernswert.
So hat sie mir dieser Tage wieder einmal davon berichtet, wie wichtig der Kindernotfonds für dien Menschen in São Lourenço ist.
Da gibt es beispielsweise eine Familie mit mehreren kleinen Kindern, die in größter Armut lebt und kein fließendes Wasser hat. Durch den Kindernotfonds konnten nach einer Begehung durch die Stadt (also: Elsa und Kollegen) und einer gründlichen Beratung ein paar Rohre gekauft und gelegt werden, so dass die Familie jetzt über einen Wasseranschluss verfügt. “Ohne den Verein “Hilfe zur Selbsthilfe in Walldorf”, schrieb mir Elsa Timm, “hätten wir diese Familie auch besucht und wären zum Schluss gekommen, dass sie dringend Unterstützung brauchen – und dann hätten wir nichts weiter tun können”.
Oder der Fall eines unserer Patenkinder: Das Kind lebt mit seiner Mutter und den Großeltern in einer kleinen, windschiefen Holzhütte. Diese Familie hat zwar fließendes Wasser, aber keine Dusche, sie waschen sich in einer Schüssel. Daran sind sie gewöhnt, sie beklagen sich nicht. Schlimm ist aber, dass es ihnen gesundheitlich nicht gut geht. Der Opa ist nach zwei Gehirnschlägen bettlägerig und die Oma ist nur noch Haut und Knochen. Man vermutet entweder Tuberkulose oder Krebs bei ihr. Sie wartet seit drei Monaten auf einen Untersuchungstermin, um Gewissheit zu haben und um zu wissen, was sie tun kann. Vermutlich wird sie es sich nicht leisten können, die Ratschläge der Ärzte umzusetzen. Das kleine Patenkind hat zu allem Unglück auch noch ein Geschwür auf dem Kopf, das in den nächsten Tagen operiert werden soll. Außerdem ist etwas mit seinem Fuß nicht in Ordnung, er wächst nicht mehr.
Die Mutter kommt mit dieser Situation leider gar nicht gut zurecht, sie ist aggressiv und verzweifelt an ihrem Leben (verständlicherweise, finde ich). Nächste Woche haben Elsa und ihre Kollegen auch hier einen Termin für einen Hausbesuch. Dann werden sie versuchen herauszufinden, was die nächsten Schritte sind, wie man dieser vom Schicksal gebeutelte Familie helfen kann. Und dank des Vereins wird es auch hier möglich sein, die Familie durch die Kindernothilfe zu entlasten.
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Kindernothilfefonds

IMG_20140610_144102Dieses 13jährige Mädchen* lebt im Süden Brasiliens, in São Lourenço. Vom “wirtschaftlichen Aufschwung” der letzten Jahre hat sie nicht viel mitbekommen.

Nur durch den Kindernothilfefonds des Vereins “Hilfe zur Selbsthilfe” hat sie inzwischen mit ihrem Baby ein Dach über den Kopf. Wir möchten ihr gerne noch weiter helfen und werden das durch den Nothilfefonds glücklicherweise auch tun können.

Als sie 9 Jahre alt war, hatte ihr Vater einen schlimmen Unfall, bei dem er beide Beine verlor. Daraufhin hat die Mutter die Familie verlassen und die Kleine musste mit 9 Jahren für ihren kleinen Bruder und den Vater sorgen, kochen, waschen. Als sie 11 war, ist ihr Vater dann gestorben.

Kurz danach hat sie einen 30jährigen Mann kennen gelernt, der ihr den Himmel auf Erden versprochen hat.

Natürlich ist es nicht gut gegangen. Mit 12 Jahren wurde sie schwanger von ihm. Er hat sie schon vorher geschlagen und dann auch während der gesamten Schwangerschaft. Nun ist sie 13 und hat ein 2 Monate altes Baby und braucht dringend unsere weitere Unterstützung.

Glücklicherweise haben wir die Möglichkeit über den Verein “Hilfe zur Selbsthilfe” und die flankierenden Angebtote vor Ort, ihr helfen zu können. So dass sie hoffentlich eine echte Chance hat, mit ihrem Baby aus diesem Armutsteufelskreis auszusteigen.

* seit einiger Zeit ist es in Brasilien verboten, Kinder mit Namen oder gut erkennbaren Fotos ins Internet zu stellen, um sie zu schützen.

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Die “Kamerafalle”

Günter berichtet, dass sich die Schüler, die an dem Projekt mit der “Kamerafalle”* teilnehmen, inzwischen “Hüter des Waldes” nennen: Sie fühlen sich durch diese  quasi hautnahe Teilhabe am Waldleben verantwortlich dafür, was mit “ihrer” Natur passiert.

Nun sind die  ersten Videos online, die die “Kamerafalle” gemacht hat. Total spannend, schauen Sie mal rein.

Hier holt sich ein Possum eine Guave:

Screenshot 2014-04-21 19.49.43

 

 

 

 

Hier sieht man einen “Waldhund” (leider weiss ich den korrekten deutschen Namen nicht):

Waldhund

 

 

 

 

* eine fest installierte Kamera im Wald, um wild lebende Tiere entdecken und beobachten zu können.

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Kamerafallen und Schulboykott im Urwald

Gestern bekam ich von Günter folgende Mail:

“Letzte Woche kamen nun endlich die schon lange sehnlichst erwarteten Außenkameras zur Beobachtung der in unserem heimischen Urwald lebenden Tiere (“Kamerafallen”). Diese Kameras werden durch Tiere aller Art ausgelöst, die vor ihrer Linse auftauchen, so dass Filme und Fotos gemacht werden können, wenn keine Menschen in der Nähe sind. Sie können bis zu einem Jahr dort bleiben und dabei die Tierwelt beobachten – und uns wichtige Informationen über Größe und Art des Bestands geben.

Kameras zur Wildbeobachtung

So sehen die “Kamerafallen”  zur Wildbeobachtung aus

Eine der drei Kameras habe ich schon in einem Waldstück installiert, das wir vor noch nicht allzu langer Zeit aufgeforstet haben. Es wird sehr interessant sein, mit Hilfe der Kameras zu sehen, wie sich dort allmählich wieder Tiere ansiedeln. Die anderen Kameras werde ich demnächst in verschiedenen Waldarealen aufstellen.

Ein weiterer Schritt soll irgendwann sein, das Projekt dahingehend auszuweiten, dass die Kinder jeweils für eine Zeit eine Kamera ausleihen und auf ihrem Grundstück nutzen können, um dort den Tierbestand zu beobachten und zu erheben. Bei den riesigen Ländereien hier durchaus eine wichtige Aufgabe (keiner kennt den Tierbestand auf seinen Farmen).

Nach und nach soll das Projekt mit Hilfe der Schüler und von Facebook bekannt gemacht werden und so hoffentlich auf Dauer ideelle und vielleicht auch finanzielle Unterstützung vor Ort zu bekommen. Allerdings – wie ich fast befürchtet hatte, gibt es schon jetzt einigen Widerstand der hier ansässigen Bauern gegen das Projekt. Einige verbieten ihren Kindern z.B., meinen Unterricht im Waldklassenzimmer (das wir hier CEAMA nennen) zu besuchen. Glücklicherweise ist die Direktorin der betreffenden Schule auf meiner Seite und wir haben bereits ein Treffen vereinbart, zu dem die Eltern auch eingeladen sind, um eien Lösung zu finden.

Obst2014

Von der Mitte nach rechts: Goiabeira (Guaven): Psidium guajava, Feijoa – Acca selowiana, Araticum – Rolinia sylvatica, Butiá – Butia odorata, Araçá amarelo e vermelho – Psidium catleyanum

Hier noch ein Foto einiger einheimischer Früchte, die ich ich letzte Woche ernetn konnte – alles Früchte von Pflanzen, die die Schüler in Vorjahren durch selbst im Wald gesammelte Samen angepflanzt hatten.

Wie immer ganz herzlichen Dank an den Verein und alle, die dieses Projekt unterstützen – das wäre sonst niemals möglich.”

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Seit 15 Jahren Verein “Hilfe zur Selbsthilfe”

Anlässlich des 15. Jubiläums des Vereins “Hilfe zur Selbsthilfe” wird es am 23.3.14 um 17:00 ein Benefizkonzert mit “Forum Brass” in der Evangelischen Kirche in Walldorf geben. Genauere Information gibt es über den Verein (hier).

Ein Zeitungsbericht der Rhein-Neckar-Zeitung vom 11.03.2014 (in der Lokalausgabe Wiesloch-Walldorf ) nimmt dieses Jubiläum  außerdem zum Anlass, über Günters Waldklassenzimmer – eines der vom Verein unterstützten Projekte -  zu berichten. Dabei schildert die Autorin, Kerstin von Splényi sehr anschaulich die tägliche Arbeit von Günter. Hier ist der informative Artikel zu finden.

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Brazilian Story

Letzte Woche sind Elsa und ich in der Stadt rumgefahren, um die restlichen Bilder von den noch fehlenden Patenkindern zu machen. Es ist anstrengend, wenn man mit den Menschen extra einen Termin ausmacht und sie dann doch nicht zuhause sind, aber wir haben trotzdem nun fast alle erwischt, endlich.

Letzte Woche rief auch eine verzweifelte Frau bei uns an, als wir dann nachmittags zu ihr hin sind und sie uns ihre Geschichte erzählt hat konnte ich es fast nicht glauben:

Die Frau hat acht Kinder, das älteste 17 Jahre alt (die Mutter hat mit 14 das erste Kind bekommen!). Die ersten drei Kinder (17 – 16 und 14 Jahre alt heute) hatten denselben Vater, der vor den Augen seines jüngsten Kindes erschossen wurde. Die 16-jährige Tochter ist im 5. Monat schwanger und nun, die Mutter lebt nur mit drei ihrer Kinder daheim, die anderen leben bei der Großmutter oder schon alleine, wurde bei der Mutter ein bösartiger Krebstumor im Bauch festgestellt (sie hält auf den Bildern Hilary, die Kleinste, gerade im Arm). Der Tumor ist schon so groß, dass man eine Niere sowie einen Eierstock auf dem Ultraschall nicht mehr erkennen kann und es ist nicht sicher, ob die Mutter das überleben wird. Sie kommt nächste Woche ins Krankenhaus und muss dort für sehr lange Zeit bleiben, wenn sie überhaupt überlebt. Sie ist nun gerade dabei, ihre Kinder zu “verteilen”, so schrecklich sich das anhört, dass sie nicht alleine sind sobald sie nicht mehr da ist. Dazu kommt noch, dass die Familie wirklich nichts zu essen hat, gäbe es die Großmutter nicht, die zwar auch arm aber nicht so arm wie ihre Tochter ist, wären sie wahrscheinlich schon längst verhungert. Wir haben ihr dann gleich ein Lebensmittelpaket mit dem Nötigsten für diese Woche geschickt (Reis, Bohnen, Mehl,…).

Diese Geschichte geht mir sehr unter die Haut und ich bin froh, wenigstens etwas für die kleine Hilary getan zu haben indem wir sie in das Patenschaftsprojekt aufgenommen haben… Und ich bin sehr gespannt, ob die Mutter überleben wird, ich hoffe es sehr!

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Neues aus Sao Lourenco do Sul

Hier melde ich nun wieder. Nachdem ich mich mittlerweile ganz gut eingelebt habe und die Hälfte der Zeit auch schon vorbei ist, habe ich schon fast alle der 75 Patenkinder zu Gesicht bekommen. Viele gehen glücklicherweise in die Krippe oder Schule, was meiner Meinung nach das Beste für die Kinder ist. Sie können so dem tristen Alltag sowie der oft traurigen und verwahrlosten Umgebung ihres Zuhauses entfliehen.
Am schlimmsten ist die Situation der Menschen meines Erachtens nach in den Vilas, die etwas außerhalb der Stadt liegen. Hier reiht sich Haus an Holzhütte und mind. 2/3 der Haüser/Hütten sind in einem erbärmlichen Zustand. Ich möchte mir nicht vorstellen, dort einen Winter lang ohne Heizung, ohne dichte Wände und Fenster leben zu müssen. In den kleinen Vorgärten sieht es fast überall gleich aus – vermüllt, kaputte Fahrräder, Waschmaschinen, Draht, alles liegt herum und mittendrin sind oft spielende Kinder. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, Haeuser die verhältnismäßig sauber und aufgeräumt sind, das ist jedoch leider wirklich die Ausnahme.







Gestern waren wir wieder bei Daisy, die sich mit Freund und Tochter eine ca. 6qm große Holzhütte teilt. Sie ist nun wieder schwanger und hat schon ein Kind im Babyalter verloren. Ihre Tochter war gestern nicht in der Krippe, weil sie laut eigener Aussage ¨verkatert war¨… Traurig, denn das Kind kann mit drei Jahren noch gar nicht wissen, was das bedeutet. Elsa meinte, sie hört das wohl immer von ihrer Mutter und deren neuen Freund. Dieses Kind kann einem wirklich leid tun! Der Hinterhof sieht immer noch – für unser Verständnis von Sauberkeit – total vermuült und ekelhaft aus, jedoch wesentlich besser und aufgeräumter als beim letzten Besuch. Immerhin etwas, da sich Daisy ja verweigert hatte, einen Kurs zur Putzfrau zu besuchen.
Ich habe mittlerweile den Eindruck gewonnen, dass viele dieser armen Menschen nicht einmal wissen, wie schön das Leben eigentlich sein kann, da sie es nie gesehen haben und selbst in einer so tristen Umgebung aufgewachsen sind wie nun ihre eigenen Kinder.
Immerhin können wir ihnen ein bisschen helfen und den Kindern gesundes Essen geben. Aber um wirklich etwas zu verändern wäre hier meiner Meinung nach eindeutig die Regierung gefragt, den keine andere Organisation noch Institution besitzt ausreichend Mittel und Wege, eine wirklich tiefgreifende Veränderung  zu schaffen.
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